Von Mexiko-Stadt in die Buntstruth: Warum sich Nicolas Rodriguez für Vitos Haina entschied

Ich habe nicht nur Kollegen – ich habe Freunde
Haina. Von der 21-Millionen-Metropole Mexiko-Stadt ist Nicolas Rodriguez in das rund 900 Einwohner zählende Haina gezogen. In der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina fühlt sich der 31-Jährige beruflich und privat angekommen. Eine persönliche Tragödie in seiner Heimat bestärkte ihn zusätzlich in seinem Wunsch, dauerhaft in Deutschland zu leben. Mit seiner Frau, die Ende 2025 nach Deutschland gekommen ist, und den beiden Hunden geht Nicolas Rodriguez gerne durch die Felder rund um Haina spazieren. Auch das historische Klostergelände, der Stammsitz von Vitos Haina, mag der 31-Jährige. „Hier werden seit fast 500 Jahren kranke Menschen behandelt“, sagt er mit Blick auf die Einrichtung des Hospitals durch Landgraf Philipp den
Großmütigen im Jahr 1533. „Heute haben wir hier moderne Behandlungsmöglichkeiten für alle psychischen Erkrankungen von Erwachsenen. Diese Verbindung hat mir schon bei meinem ersten Besuch gefallen.“ Sein Medizinstudium begann Rodriguez in seiner Heimatstadt Mexiko-Stadt. Einerseiner Professoren hatte Kontakt zum Max-Planck-Institut in München, das Studierende für die Forschung suchte. „Er hat mich gefragt, ob ich nach Deutschland kommen möchte.“


Zunächst war Rodriguez unsicher, ob er sein Studium unterbrechen sollte. Seine Mutter riet ihm dazu. „Sie sagte, das sei eine Chance, die nicht jeder hat.“ Deutsch konnte er damals noch nicht. „Ich wusste nur, was ein Schnitzel ist.“ 2016 kam er nach München. Innerhalb von acht Monaten lernte er die Sprache und erreichte das C1-Niveau. Anschließend forschte er an der Universität Tübingen zu Hautkrebs. „Ich wollte in Deutschland bleiben“, erinnert er sich. „Ich hatte gute Kollegen, habe gute Freunde kennengelernt und die Kultur hat mir sehr gut gefallen.“ Danach absolvierte er ein Semester Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Neue Freundschaften halfen ihm auch beim Deutschlernen. „Wir haben uns getroffen und uns unterhalten, über Politik und vieles andere mehr.“ Für den Abschluss seines Medizinstudiums musste er jedoch nach Mexiko zurückkehren. Dort erlebte er eine Tragödie: Sein bester Freund wurde auf dem Heimweg vom Fitnessstudio überfallen und erschossen. „Dann war mir ganz klar: So etwas kann jederzeit passieren. Ich wollte noch mehr als zuvor nach Deutschland zurück.“ In Deutschland fühlte er sich sicher.

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Nach seinem Studienabschluss entschied sich Rodriguez für das Specialized!- Programm der Bundesagentur für Arbeit. Das Programm vermittelt Ärztinnen und Ärzten aus Kolumbien und Mexiko Kontakte zu Kliniken in Deutschland und unterstützt sie auf dem Weg in die fachärztliche Weiterbildung. Rodriguez wurde in das Programm aufgenommen. Gleichzeitig informierte er sich im Internet über mögliche Arbeitgeber. „Ich habe über Vitos gelesen, das hat mir gut gefallen. Und ich habe ein Interview mit Prof. Florian Metzger gefunden.“ Prof. Florian Metzger ist Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina. Nicolas Rodriguez schrieb ihm eine E-Mail und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ob er sich den Schritt von Mexiko-Stadt nach Haina wirklich vorstellen könne, habe Prof. Metzger ihn gefragt. Natürlich, habe er geantwortet. „Mich beeindruckt die Ruhe, die Stille. Ich kann meine Gedanken hören.“ Auch die Klinik und die historischen Gebäude hätten ihm gefallen: „Ein Krankenhaus, das so alt ist und so viele Geschichten erlebt hat.“ Da könnten auch Tübingen, München oder Bochum nicht mithalten, sagt er.

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Seit zwei Jahren lebt Rodriguez nun in Haina. Das Specialized!-Programm habe vor allem die bürokratischen Prozesse beschleunigt. Er habe schnell Zugang zu den benötigten Dokumenten aus Mexiko bekommen und sein Visum kurz nach seinem Besuch in Deutschland erhalten. Den Start erleichtert hätten ihm Kolleginnen und Kollegen wie Prof. Metzger und Julia Kroll, Personalleiterin von Vitos Haina. „Sie sind immer meine Ansprechpartner.“ Parallel zu seiner Tätigkeit als Assistenzarzt absolviert Rodriguez die Weiterbildung im Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie. „Ich bin dankbar, dass ich die Chance habe, hier zu arbeiten.“ In Haina fühlt er sich wohl. „Ich kann mit den Hunden spazieren gehen. Ich kann mit meiner Frau auch nachts joggen. Die Leute sagen immer Hallo, die kennen uns schon.“ Das vergangene Weihnachtsfest feierte das Ehepaar mit seiner 80-jährigen Nachbarin. „Sie hat Schnitzel gemacht, ich Tacos.“ Nicht immer einfach sei die deutsche Bürokratie. Daran könne er sich aber gewöhnen. Besonders schätze er, dass Verwaltungsverfahren transparent und verlässlich abliefen. Aus seiner Heimat
kenne er leider auch andere Erfahrungen. Nicolas Rodriguez möchte in Haina bleiben. „Ich würde mich nicht gut fühlen, wenn ich dieses Krankenhaus und dieses Team verlassen würde. Ich habe nicht nur Kollegen, ich habe Freunde.“


Hintergrund: Das Specialized!-Programm
Das Programm „Specialized!“ wird seit 2017 von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, kurz ZAV, angeboten. Die ZAV gehört zur Bundesagentur für Arbeit. Ziel des Programms ist es, Humanmedizinerinnen und Humanmedizinern aus Mexiko und Kolumbien eine fachärztliche Weiterbildung in Deutschland zu ermöglichen. „Menschen wie Nicolas Rodriguez sind ein Gewinn für unsere Klinik und für die psychiatrische Versorgung insgesamt“, sagt Rouven Raatz, Geschäftsführer von Vitos Haina. „Wir stehen bundesweit im Wettbewerb um qualifizierte Ärztinnen und
Ärzte. Deshalb sind Programme wie ‚Specialized!‘ so wichtig: Sie helfen engagierten Fachkräften, ihren Weg nach Deutschland zu finden, und uns dabei, die medizinische Versorgung auch langfristig auf hohem Niveau sicherzustellen. Deshalb ist die Zusammenarbeit für beide Seiten ein echter Erfolg.“ Das bestätigt Prof. Florian Metzger, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie Haina. „Vielen Ärztinnen und Ärzten ist nicht bewusst, welche Möglichkeiten eine psychiatrische Klinik bietet. Es ist gut, dass wir das Interesse von Nicolas Rodriguez geweckt haben.“ Aufgrund des demografischen Wandels seien internationale Fachkräfte in der Medizin und beispielsweise auch in der Pflege wichtig, um den Krankenhausbetrieb langfristig sicherzustellen. „Die Zusammenarbeit gelingt hervorragend. In unseren multiprofessionellen Teams kommt es ohnehin nicht darauf an, woher jemand kommt“, sagt Prof. Metzger./od

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